Brunhilde

Die Geschichte von Hreidmar wäre hier längst geschlossen; allein da das Folgende nicht nur die Idee des an den Ring gehängten Flucheg weiter ausführt, sondern auch nach dem Hauptinhalt die Grundlage des ganzen Nibelungenliedes ausmacht und für die nordische Mythologie von Wichtigkeit ist, mag es gleichfalls hier stehen.


»Sigurd ritt nun seine Strasse, bis er zu den Hindaralpen kam. Dort fand er ein Haus, darin schlief eine schöne Frau, die war gepanzert mit Helm und Harnisch; Sigurd ergriff sein Schwert und hieb ihr den Panzer ab, da erwachte sie und nannte sich Hildur, sie war aber Brynhildur genannt, und war eine Walküre.

Des Mädchens Schönheit erweckte Sigurds Liebe, und er verlobte sich mit der Heldenjungfrau, ritt darauf von dannen und kam zu einem König, der Giuki hiess; der hatte eine Frau Grimhildur, drei Söhne, Gunnar, Högni und Guttormur, und eine Tochter, Gudrunur. Dort verweilte Sigurd einige Zeit, da gab ihm Grimhildur einen Trank, so dass er Brynhildur gänzlich vergase und sich mit Gudrun vermählte, worauf deren Brüder, Gunnar und Högni, mit ihm Waffenbrüderschaft schlössen, dann aber auf Abenteuer auszogen.

Nun kamen Sigurd und Gjukinger (Kinder des Giuki) zu Atli, Budla's Sohn, und verlangten seine Schwester Brynhildur für Gunnar zur Gattin; sie aber sass auf den Hindaralpen und hatte um ihr Haus den Feuerstrom Waffurlogi (Flackerlohe) geleitet und eidlich gelobt, Niemand zu nehmen, der nicht durch diesen Feuerstrom zu reiten wagte. Da ritten Sigurd und die Gjukingar, die auch Niflungar (Nibelungen) heissen, auf die Alpe und wollten hindurch. Gunnar hatte damals ein Pferd, das Göte hiess, aber er wagte nicht, über das Feuer zu springen. Da wechselten Sigurd und Gunnar ihre Gestalten und Namen (weil Grani, dass Ross Sigurds, mit welchem er über Waffurlogi setzen wollte, Niemand trug als ihn), und Sigurd that an Gunnars Stelle den gefährlichen Sprung und kam glücklich hinüber.

Den Abend ging er mit Brynhildur zur Hochzeit, und als sie an's Bette kamen, zog er sein Schwert Gram aus der Scheide und legte es zwischen Beide; aber am Morgen, als er aufstand, gab er zur Verlobungsgabe ihr den Goldring, den Loke von Andwari genommen hatte; von ihr empfing er einen anderen Ring zum Pfände. Sigurd nahm darauf sein Ross, ritt heim zu den Seinigen und vertauschte das Aussehen wieder mit Gunnar. Dieser und Brynhildur kamen dann auch zu König Giuki.



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Einleitung
Hreidmar
Andwari
Reigen und Fofner
Sigfried
Brunhilde
Gudrun
Sigfrieds Tod
Gudruns Fluch
Das Ende
Impressum

Die Nibelungen (Hreidmar, Sigurd)